Weiden und Kopfweiden
Tausendsassa Kopfweide – Lebensraumvielfalt auf kleinster Fläche
Die Kopfweiden sind ein Teil unseres Kulturraums, markante Kulturlandschaftselemente, Zeugen alter Tradition. Durch jährlichen Schnitt entsteht die seltsame Form. Im letzten Jahrhundert wurden die geschnittenen Weidenruten für allerlei Nützliches auf dem Bauernhof verwendet, wie Besen, Zäune oder Weidenkörbe. Wie bei jedem Baum sind die Wunden durch die Schnitte ins Holz für den betroffenen Baum nicht gut, deshalb beginnen die betroffenen Stellen durch Pilzbefall zu faulen. Allerdings gehört dieser Vorgang bei den Kopfweiden zu den erwünschten Entwicklungen, da dies erst die große Artenvielfalt hervorbringt. In diesem Nebeneinander aus Mulm, härteren und weicherem Totholz entsteht viel Lebensraum für Insekten oder größere Tiere aber auch für Moose, Algen und Flechten und eben verschiedene Pilze. Dieses kleinräumige Nebeneinander von verschiedenen Strukturen ist ideal für Artenvielfalt, es sind richtige Kleinbiotope. Eine Kopfweide kann über 90 Käferarten und 150 Schmetterlingsarten beherbergen. Über die Jahre setzt sich in diesem „kopfigen“ Bereich der Weide sogar Humus ab und es entstehen kleine Höhlen.
Da Weiden an sich aber sehr vital sind, wachsen jedes Jahr wieder neue Triebe aus und trotz der fauligen Stellen kann eine Kopfweide über 100 Jahre alt werden. Höhlenbewohnende Vogelarten wie Steinkauz oder Gartenrotschwanz finden in den wachsenden Höhlen ein Zuhause, ebenso sind diese Höhlen für Fledermäuse wichtige Sommerquartiere. Alte, dickstämmige Weiden zählen zu den insektenreichsten Pflanzenarten in Mitteleuropa.
Frisch abgetrennte Zweige kann man als Setzlinge in die Erde stecken, diese wachsen wieder an. Das haben wir 2021 auf dem Dobelfeld gemacht, und so 2021 ein Weidentipi und Weidentunnel aus Zweigen der Kopfweiden angelegt. Mit dem Tipi und Tunnel aus Weiden wurde das Spielplatzangebot kreativ erweitert und es entstand gleichzeitig Lebensraum für die „Kleinen“ von anderen Arten. Die Kinder können beobachten, welche Tiere alles auf den Weiden nach Nahrung suchen. Nicht nur die Weidenkätzchen bieten gute Nahrung für Wildbienen und Hummeln im zeitigen Frühjahr, auch die Blätter der Weiden werden von über neunzig verschiedenen Insektenarten gerne gegessen.
Mitmachen
Bitte an info@vielfalt-fuer-buch.de melden, wo Ihr weitere Kopfweiden entdeckt habt. Besonders alte und große Kopfweiden, zum Teil schon ausgebrochen stehen entlang des Erlbachs zwischen Niedererlbach und dem Biller-Kreisel kurz vor Thal.
Und wie wäre es mit einer Weide bei Euch im Garten? Oder mit einem super schönen Weidentipi für die Kurzen?
Natur-Spaziergang
1 Auf unserem Spaziergang zu den Kopfweiden im Stünzbachtal geht es los an der Pizzeria Da Giova, den Kugelpoint hinauf und hinein in den Hohlweg. Diese markanten alten Pfade, die sich im Laufe der Zeit rund um Buch in den weichen Boden eingeschnitten haben, bieten heute an den Hängen viele kleine Nischen und Möglichkeiten zum Beispiel für Wildbienen, in dem offenen Boden Röhrengänge anzulegen. Auf den sonnenbeschienenen Flecken sonnen sich Eidechsen, während Fledermäuse in der Nacht in dem geschützten Bereich auf Jagd gehen.
2 Am Hohlweg an der Kugelpoint stehen noch verschiedene alte Eichen, diese bieten ebenso wie Kopfweiden vielfältigen kleinräumigen Lebensraum. Jeder Baum ist ein eigenes Biotop. Auf kleinem Raum finden sich hier trockene Äste in der Krone, abplatzende Rindenpartien, tiefrissige Rinde, Mulm der Spechthöhlen oder Moose und Flechten. Alles zusammen bildet hoch oben einen eigenen Mikrokosmos für viele Tier- und Pflanzenarten. Ein alter Baum kann dadurch das Überleben seltener Tierarten über Jahrzehnte oder im Falle von Eichen über Jahrhunderte ermöglichen. Von solchen Bäumen können sich seltene holzbewohnende Arten wieder ausbreiten, wenn es in der Nähe weiteres Totholz gibt.
3 „Stirbt ein Baum ab, beginnt es in ihm zu leben“
Ebenfalls ein Biotop ist unser Baumtorso Esche Nr. 18. Die Gemeindeverwaltung hat hier ein Herz für Artenvielfalt bewiesen und den Stamm als Totholz bewahrt. Die Eschen sind wie viele andere in Bayern dem Eschentriebsterben erkrankt und waren dadurch nicht mehr verkehrssicher. Diese noch stehenden Baumstämme sind wertvoller Lebensraum für hunderte von Insekten- und Pilzarten und mit der Zeit auch für Vögel, Amphibien und Säugetiere wie Fledermäuse.
Weitere Info über Totholz findet Ihr hier: https://www.vielfalt-fuer-buch.de/Infos-Artenviefalt/Totholz/
4 Kopfweiden im Stünzbachtal
5 Weiter geht’s nach Gastorf an der Straße entlang. Dort biegen wir rechts ab Richtung Pfrombach, dann geht es links auf die Anhöhe hinauf Richtung Wasserturm.
6 Vom Wasserturm laufen wir durch den Wald nach Westendorf. Am Waldrand hat man einen schönen Ausblick.
7 In Westendorf geht es links Richtung Holzhäuseln, den nächsten Kiesweg links abbiegen und wir erreichen das Paradeis. Von hier geht es runter zur Hauptstraße und wieder zurück zum Ausgangspunkt.
